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Was tun gegen den allgegenwärtigen Mental Load?

„Mental Load“ ist in aller Munde. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter und viel wichtiger, was können wir als (berufstätige) Eltern dagegen tun? Wobei es aktuell noch größtenteils die Mütter sind, die unter dem Mental Load leiden und gerne weniger davon hätten. Doch dazu später mehr.

Was ist Mental Load?

Mentale Belastung, geistige Überlastung, Denkarbeit, so und ähnlich sind die Definitionen für Mental Load. Ganz konkret auf den Punkt gebracht, sind das all die kleinen und großen ToDos an die im Alltag mit Kindern so gedacht werden muss. Also eine große ToDo-Liste mit schier nicht enden wollenden Aufgaben, die die Organisation des familiären Alltags betreffen und täglich in unserem Kopf herum schwirren.

Um sich ein besseres Bild davon zu machen, hier eine kleine Auflistung typischer Beispiele:

  • Wäsche waschen
  • Reisepässe für den nächsten Urlaub prüfen
  • Reiseapotheke auffrischen
  • Termin beim Kinderzahnarzt zum Impfen ausmachen
  • Sommerreifen wechseln lassen
  • Passende Klamotten kaufen
  • Geschenk für Geburtstagseinladung organisieren
  • Anmeldungen bei Kitas nachhalten
  • Sleepover koordinieren
  • Kinder zum Sport fahren
  • Datenight planen und Babysitter buchen
  • Handytarife vergleichen
  • Weihnachtsgeschenk für Kindergärtnerinnen besorgen
  • …..

 

Diese Liste lässt sich unendlich weiter führen. Denn kaum verschwindest eines dieser vielen ToDos, reihen sich auch schon die nächsten ein. Und irgendwann stellt sich dann das Gefühl ein, dass man oder besser gesagt „Frau“ dieser Liste niemals Herr werden kann. Im Extremfall führt diese ständige Dauerbelastung auch zu physischen und psychischen Reaktionen wie Müdigkeit, Überforderung, niedrige Frustrationstoleranz, Abgespanntheit und dem Gefühl der Überlastung.

Was also tun in dieser Lage und mit diesem Load, der irgendwann zum Overload werden kann?

 

Der Mental Load ist real

Um etwas gegen eine Sache zu tun, muss sie uns erstmal bewusst werden. Wenn Du also merkst, das sich das Gedankenkarussell im Kopf nicht aufhört zu drehen und Du Dich immer überlasteter fühlst, dann ist es dringend Zeit eine Vollbremsung einzulegen. Werde Dir über den existierenden Mental Load bewusst. Dafür schreibe Dir all die regelmäßigen und unregelmäßigen großen und kleinen Aufgaben auf eine Liste, um Dir erstmal vor Augen zu führen, was Du alles täglich leistest.

 

Miteinander statt gegeneinander

Wenn Deine eigene Bestandsaufnahme gemacht ist, fordere Hilfe ein! Gerade wir Frauen glauben oft aufgrund gesellschaftlicher Erwartungen, klassischer Rollenbilder oder der jeweiligen Sozialisation aus der Herkunftsfamilien, alles alleine machen zu müssen und es jedem Recht machen zu müssen. Doch das ist auf lange Sicht sehr ungesund. Suche daher das Gespräch mit Deinem Partner und binde auch ihn in diesen Prozess mit ein. Schließlich habt ihr beide eine gemeinsames Kind und tragt damit auch zusammen die Verantwortung für Eure Familie. Lass ihn ebenfalls aufschreiben, welche Tätigkeiten bei ihm täglich anstehen und vervollständigt gemeinsam die Aufgaben-Liste. Denn oft sehen wir in solchen Momenten der Überlastung nur die eigenen Themen und lassen die des anderen außen vor oder machen ihm vielleicht sogar unbewusst Vorwürfe. Allerdings braucht es gegenseitiges Verständnis, um auch eine gemeinsame Lösung für die vorliegende Problemstellung zu finden.

Deswegen ganz wichtig: Am Ende Eurer Bestandsaufnahme wertschätzt Euch gegenseitig für das, was jeder von Euch jeden Tag leistet. Ihr seid ein Team, deswegen sollte an dieser Stelle das Miteinander im Vordergrund stehen und nicht das gegenseitige Aufrechnen.

 

Loslassen und Aufteilen

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Diese besteht darin, alle Tätigkeiten zu kategorisieren. Wir nutzen dafür z.B. folgende Kategorien: weg lassen, outsourcen, aufteilen.

Nach dieser Einteilung lässt sich die Liste schon besser handeln. Einige Aufgaben fallen damit künftig ganz weg und einige werde nicht mehr von Dir oder Deinem Partner gemacht, sondern von anderen (z.B. Hemden in die Reinigung bringen oder Einkäufe liefern lassen).

Die übrigen Aufgaben gilt es nun aufzuteilen. Dabei hat es sich bewährt, sich gemeinsam zu überlegen, wer für bestimmte Tätigkeiten besser geeignet ist, weil er schneller darin ist oder mehr Spaß daran hat. Bei manchen Aufgaben braucht es vielleicht Kompromisse, indem der eine Partner die Aufgabe in der einen und der andere Partner in der anderen Woche macht. Wir wechseln uns beispielsweise an den Wochenenden mit dem Kochen ab und genießen es sehr, uns immer abwechselnd vom anderen bekochen zu lassen.

Ein ganz wichtiger Punkt beim Thema aufteilen ist auch der Punkt loslassen und Verantwortung abgeben. Und damit meine ich auch WIRKLICH abgeben. Das bedeutet konkret, dass bestimmte Aufgaben, die nun Dein Partner übernimmt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit anders durchgeführt werden als Du das getan hättest. Und das gilt es loszulassen und auch zu akzeptieren. Denn eine wirkliche Entlastung, wird sich nur dann einstellen, wenn Du die Verantwortung auch wirklich abgibst und Deinen Partner machen lässt – so wie er es für richtig hält.

 

Probieren und Reflektieren

Seid flexibel und probiert aus. Sprecht über unterschiedliche Varianten von Aufteilungs-möglichkeiten und legt Zeiträume fest, in denen ihr diese testen wollt. Nach Ablauf dieser Zeiträume setzt Euch zusammen und sprecht darüber, welche der Varianten die beste für die aktuelle Situation ist. Reflektiert alle 6 bis 9 Monate, ob die getroffenen Absprachen noch sinnvoll sind, oder ob es äußere Umstände gibt (z.B. Jobwechsel, Eintritt in die Schule etc.), die eine Anpassung erforderliche machen. Denn der Familien- und Berufsalltag ist ständig im Wandel. Daher ist auch ein gewisses Maß an Flexibilität erforderlich, um dem Mental Load auch langfristig Herr zu werden und gedanklich wieder mehr Platz für die schönen Dinge zu haben.

 

Photocredit: Elisa Ventur I Unsplash

 

 

 

 

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